Durch den Titel Fiesta Espanola - Stanzen ohne Grenzen - und das Buffet spanisch geprägt war das mittlerweile 7. MM-Symposium von Mayr-Melnhof Karton, das nach Ausflügen nach Mönchengladbach, Offenbach und Lausanne Mitte Mai dieses Jahres erneut im Hause der Firma Cito System GmbH und deren Seminar und Training Center in Schwaig bei Nürnberg stattfand. Neben dem Veranstalter Mayr Melnhof und dem Gastgeber Cito waren noch die Firmen Iberica sowie Linhardt Stanzformen beteiligt.
"Mehr und mehr geht allen an der Supply Chain Beteiligten ein, dass die optimale Ab- und Entwicklung für unsere Kunden, die Faltschachtelhersteller, und darüber hinaus auch die Endnutzer dieser Faltschachteln, nur gemeinsam und unter Berücksichtigung gegenseitiger Interesse optimal funktionieren kann", so Gunter Klimpel von MM aus Fronleiten in seiner Begrüßung als Veranstalter. Deshalb seien gemeinsame Informationen und Präsentationen von am Herstellungsprozess von Faltschachteln beteiligten Lieferanten eine natürliche Sache.
Der Faltschachtelmarkt sei einer von den anscheinend "selbstmörderischen" aber noch immer nicht absolut tötlichen Märkten, denn Faltschachteln sind heute nicht teurer oder sogar billiger als vor 10 oder 15 Jahren, und auch der Karton zu ihrer Herstellung habe noch immer das Preisniveau jener Tage!
Und auch Jürgen Marien als Geschäftsführer der Cito System GmbH und Gastgeber der Veranstaltung hatte bei seiner Begrüßung der Gäste darauf hingewiesen, dass besonders in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen intelligente Lösungen gefragt sind. Nicht derjenige werde der Gewinner sein, der versucht, immer die billigsten Materialien und Hilfsmittel einzusetzen, sondern das Unternehmen, welches seine Prozesse beherrscht und es nicht versäumt, seine gesamten
Produktionskosten bei der Kalkulation in Betracht zu ziehen. Er versprach, dass man bei Cito auch in Zukunft ein hohes Augenmerk auf den Bereich Forschung und Entwicklung haben werde und dass es die strategische Ausrichtung bleiben wird, dem Druck- und Verpackungsmarkt intelligente und zukunftsweisende Produkte und Techniken zur Verfügung zu stellen.
Karton im fliegenden Wechsel
Bei den praktischen Demonstrationen auf einer Iberica JRK 105 wurden nicht nur diese spanische Bogenstanze und ihre Möglichkeiten präsentiert, sondern auch neue Techniken im Bereich Prägen, Ausbrechen und Nutzentrennen vorgestellt.
Mit einem MCM 500 g/m2 aus dem MM-Werk Hirschwang wurde eine 3-Nutzen-Krempelverpackung gestanzt. Auf einen neuen Auftrag eingerichtet, verarbeitete sie anschließend ein Material aus dem MM-Werk in Frohnleiten, Topcolor 300 g/m2.
Gestanzt wurde eine 8-Nutzen-Form, Faltschachtel mit Prägung. Dabei fand neue Technik der Firma Linhardt Stanzformen, Dietenhofen bei Nürnberg, Einsatz. Es handelt es sich um eine Stanzform mit eingepassten Prägewerkzeugen, die ohne Aufwand und mit minimaler Standzeit der Maschine während der Produktion gewechselt werden können.
Das spezielle Registersystem ermöglicht eine exakte Positionierung und den mühelosen Wechsel der Prägewerkzeuge in der Stanzform.
Stanzen & Prägen mit Linbord®
Prokurist Arthur Schmidgall ging insbesondere auf das Trägerplattenmaterial Linbord® ein, das von der Karl Linhardt Stanzformen GmbH mit dem Ziel entwickelt worden war, eine gegenüber der herkömmlichen Holzplatte verbesserte Maßhaltigkeit der Stanzform zu erzielen.
Linbord® besteht aus einem Naturfasergewebe, das unter Wärmeeinfluss mit Epoxydharz verpresst wird. Der wesentliche Vorteil der Platte besteht darin, dass sie ähnlich wie die bekannten Multiplex-Sperrholzplatten mit einem CO2-Laser bearbeitet werden kann. Ansonsten ist sie ähnlich druckstabil beim Prägen wie die üblicherweise verwendeten Alu-Prägeunterlagen.
Insbesondere beim Einsatz in Verbindung von Stanz-Rill Platten und dem Arbeitsgang Stanzen und Prägen in einem Durchgang sei dies unabdingbar. Bei dieser Technik werden keinerlei Alu-Fundamente benötigt, was der Stanzform mehr Stabilität und Maßhaltigkeit verleiht.
Durch das von Linhardt entwickelte Prägesystem Prägefix® könnten Motive sehr schnell, passgenau und wiederholbar in die Stanzform eingesetzt oder gewechselt werden. Die Montagehilfe ist rein optisch aufgebaut und funktioniert ohne Messungen und ohne Mikrometerverstellungen. Linhardt will dazu mehr auf der FachPack/PrintPack dieses Jahres in Nürnberg sagen.
RSP Inline in Offsetmaschine mit weltweiter Resonanz
Im weiteren Verlauf wurde auch die Inlinefertigung einer Präsentationsmappe auf einer Offsetdruckmaschine gezeigt; hier wurde ein GC2 mit 230 g/m2 aus dem MM-Werk Baiersbronn verwendet. Mit dem RSP Inline Finishing System ist die wohl kostengünstigste Möglichkeit der Druckweiterverarbeitung geschaffen worden.
Seit der Erstpräsentation im Jahr 2000 sollen Aussagen von Jürgen Marien zufolge weltweit ca. 750 RSP-Systeme installiert worden sein. Eingesetzt wird das System für Perforationen, Stanzungen und Rillungen im Akzidenzdruck, in einigen Fällen jedoch auch bereits für die Produktion von Faltschachteln und Präsentationsmappen. Hierfür hat sich das System als günstige Alternative zur Verarbeitung auf Tiegeln oder auf einem OHZ erwiesen.
Bei seiner Präsentation ging Jürgen Marien neben den technischen Aspekten sehr deutlich auch auf den Kosten-Nutzen-Effekt der eingesetzten Techniken und Materialien ein. Anhand von praktischen Beispielen zeigte er dabei auf, wie durch die Auswahl der richtigen Hilfsmittel enorme Beträge eingespart werden können. Berechnet wurde dies unter anderem am Beispiel einer Rillzurichtung Typ Cito RE, einer Version mit integrierter Schutzfolie. Beim Einsatz dieser Rillzurichtung wird das zusätzliche Abkleben in Bogenlaufrichtung überflüssig.
Dem Kalkulationsbeispiel der Präsentation folgend können bei durchschnittlich drei Aufträgen pro Tag im 2-Schichtbetrieb runde 12 000 Euro pro Jahr und Maschine eingespart werden.
Hochinteressant war auch die Vergleichskalkulation Inline mit RSP gegenüber traditioneller Weiterverarbeitung mit OHZ.
Hier wurde aufgezeigt, dass sich bereits bei einem einzigen Auftrag mit einer Auflage von nur 28 000 Bogen eine Einsparung von ca. 1200 Euro erzielen lässt. Bei höheren Auflagen liegen die Einsparungen demzufolge noch deutlich höher; dadurch muss sich eine durchschnittliche Amortisationszeit eines RSP-Systems in weniger als drei Wochen ergeben.
Neue Präsentationsmöglichkeit für Iberica
Cito System stellte auch für dieses Seminar sein seit Oktober 1998 bestehendes Training Center zur Verfügung.
In den ersten vier Jahren wurde mit Bobst Autoplatinen gearbeitet, seit Ende 2002 besteht eine Vereinbarung mit der Repräsentanz Bernhardt Maschinen der italienisch-spanischen Maschinenfabrik Iberica, die eine JRK 105-Stanze für Schulungen und Demonstrationen zur Verfügung stellte. Zum weiteren Maschinenpark gehören eine Heidelberger Speedmaster 74/2 und eine Polar/Mohr 115-E sowie verschiedene CAD-Programme und Linienbearbeitungsgeräte.
Am ersten Tag konnten MM und Cito ca. 100 Besucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz begrüßen, der zweite Tag war spanischsprachigen Besuchern aus Europa und Südamerika vorbehalten. Insgesamt wurde die Veranstaltung von rund 150 Teilnehmern wahrgenommen, was angesichts vieler Sparmaßnahmen bei Kartonverarbeitern auch bei Geschäfts- und Weiterbildungsreisen ein gutes Ergebnis darstellt.
Das 8. MM-Symposium steht unter dem Motto "Vom Karton zum Kartonieren - leistungsorientiertes Verpacken" und erweitert damit dem Radius der Supply Chain.
Es findet am 11./12. November 2003 bei Bosch in Waiblingen statt.
Bildunterschriften:
Erneut Gastgeber eines MM-Symposiums:
Jürgen Marien (Cito System) am Mikrophon, links daneben Gunter Klimpel von Mayr-Melnhof Karton aus Fronleiten und sein Service-Team Neu im Schulungs- und Technologiecentrum bei Cito ist eine Iberica Bogenstanze, auf der die Demo-Arbeiten des Symposiums gefahren wurden
Quelle: PAPIER+FOLIEN Nr. 07-08 vom 04.08.2003 Seite 032